BUCHTIPP: „INDUSTRIE IM WANDEL — BILDUNGSARBEIT IN BEWEGUNG“

Warum Industrie 4.0 ohne berufliche und politische Bildung, Mitbestimmung und Demokratie zum Scheitern verurteilt ist

Wer sich dafür interessiert, wie Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in Zeiten der großen Transformation, also in Zeiten von politischen und technischen Umbrüchen sich beruflich auf ihre Zukunft vorbereiten sollten, wie sie sich weiterbilden und am besten gemeinsam ihre Interessen vertreten, was Betriebsräte und Gewerkschaften neu, besser und anders machen sollten und wie in solchen Zeiten Bildungsarbeit wirksam gestaltet wird, konzeptionell wie organisatorisch — der sollte zu diesem Buch greifen.

Herausgeberin Irene Schulz, Geschäftsführendes Mitglied des Vorstandes der IG Metall, hält fest: „Politische und wirtschaftliche Demokratie sind zwei Seiten einer Medaille. Entsprechend stehen politische und berufliche Bildung, Aus- und Weiterbildung ebenfalls inhaltlich in einer engen Wechselwirkung und sind nicht voneinander zu trennen.“

Fast 70 Autorinnen, Autoren und InterviewpartnerInnen steuern in diesem Sammelband ihre Kompetenzen, Erfahrungen und ihr Wissen bei. Leiterinnen von Bildungsstätten und BildungsreferentInnen sind dabei, ebenso wie freiberufliche Coaches, Mediatorinnen und Organisationsberater, Experten für Digitalisierung, Betriebsräte und Vertrauensleute aus mittleren Unternehmen und aus Konzernen wie Ford, Daimler, BMW, John Deere, und Siemens, Bevollmächtigte der IG Metall und Wissenschaftler der Universität Bremen. Die Themen sind so vielfältig und nahe an dem betrieblichen Alltag wie die Autorinnen und Autoren es mit ihrer konkreten Tagesarbeit und Expertise sind: Es geht um die Gründung von Betriebsräten, um Tarifbindung, agiles Arbeiten, die Regulierung von mobiler Arbeit, um die Gestaltung von Digitalisierungsprozessen in den Unternehmen, um die neue Modulausbildung „Industrie 4.0 gestalten“ und das große Projekt „Arbeit und Innovation“ gezogen, an dem sich etwa 150 Betriebe beteiligen.

Aus Sicht der gewerkschaftlichen Erschließungsarbeit, liefern Susanne Kim und Jan Otto in ihrem Aufsatz „Erschließungsmethoden für die Kompetenzentwicklung“ einen Debattenbeitrag über Kompetenzanforderungen in der Erschließungsarbeit. Im Mittelpunkt ihres Beitrages stehen dabei die folgenden Fragen: Wie können wir unsere gewerkschaftliche Erschließungsarbeit wirkungsvoller gestalten? Mit welchen Formaten, Arbeitsweisen und Methoden können wir ehrenamtlich Aktive mit analytisch-strategischen, kommunikativen und handlungsorientierenden Kompetenzen ausstatten und damit unsere betriebspolitische Handlungsfähigkeit erweitern?

Über allen Texten und Interviews liegt die entscheidende Frage: Worin besteht für die Beschäftigten das Leitbild der guten digitalen Arbeit 4.0? Und wie kann es im Betrieb durchgesetzt werden?

Herausgeberin Irene Schulz: „Nur wenn wir die neuen Techniken so einführen und einsetzen, dass sie den Interessen der Beschäftigten und denen unserer demokratischen Gesellschaft entsprechen, kann aus dieser Transformation Fortschritt entstehen.“ Mit diesem gehaltvollen und perspektivenreichen Buch liefern die Bildungsarbeiter der IG Metall zu diesen Fragen eine Fülle an Informationen, Analysen und Deutungen.

 Jetzt bestellen: Irene Schulz (Hrsg.) „Industrie im Wandel — Bildungsarbeit in Bewegung“, ein Praxishandbuch, Bund-Verlag, Frankfurt, 2019, 383 Seiten, 39,90 Euro

Den Aufsatz „Erschließungsmethoden für die Kompetenzentwicklung“ von Susanne Kim und Jan Otto könnt ihr hier direkt als PDF-Datei herunterladen 

 Ein Interview mit Irene Schulz, IG Metall-Vorstandsmitglied und Herausgeberin des Sammelbandes, findet ihr hier

WEITERE LESETIPPS


  • Interview mit Ulrich Wohland von ORKA - Die IG Metall als Beteiligungsgewerkschaft stärken
    Interview mit Ulrich Wohland von ORKA – Die IG Metall als Beteiligungsgewerkschaft stärken
    Die IG Metall als Beteiligungsgewerkschaft stärken Interview mit Ulrich Wohland von ORKA (Organisierung & Kampagnen) Die Beteiligung möglichst vieler Beschäftigter in der Betriebsrats- und Gewerkschaftsarbeit erfordert systematisches und prozessorientiertes Arbeiten. Das hat viel mit Organisierung zu tun. Das IG Metall-Projekt Beteiligung kooperiert deshalb in der...
    Weiterlesen
  • ORGANIZING (Detlef Wetzel (Hrsg.))
    ORGANIZING (Detlef Wetzel (Hrsg.))
    »Im Sinne von Organizing bedeutet Emanzipation, Selbstbefähigung und Beteiligung zu fördern, statt abstrakt Reklame für die gewerkschaftliche Sache zu machen. Emanzipation bedeutet, nicht Objekt, sondern Subjekt zu sein. Man wird nicht behandelt, sondern man handelt.« (Detlef Wetzel). Spätestens seit ein ehemaliger Organizer 2008 amerikanischer Präsident...
    Weiterlesen
  • Aufrecht gehen (IG Metall Bezirk Baden-Württemberg (Hrsg.))
    Aufrecht gehen (IG Metall Bezirk Baden-Württemberg (Hrsg.))
    Das im Herbst 2015 gestartete »Gemeinsame Erschließungsprojekt« (GEP) der IG Metall Baden-Württemberg will Antworten auf die Herausforderungen der neuen Arbeitswelt geben. Durch den Aufbau aktiver Basisstrukturen in den Betrieben, die Stärkung von Vertrauensleuten und die Beteiligung von neuen Beschäftigtengruppen soll die Durchsetzungs- und Konfliktfähigkeit der IG...
    Weiterlesen
  • Power at Work (Michael Crosby)
    Power at Work (Michael Crosby)
    Seit mehr als 100 Jahren spielen australische Gewerkschaften eine Schlüsselrolle beim Schutz und der Verbesserung der Löhne und Arbeitsbedingungen der australischen Beschäftigten. Heute sind jedoch nur noch 23% der Beschäftigten gewerkschaftlich organisiert, und die Gewerkschaftsbewegung sieht sich noch nie dagewesenen politischen Angriffen ausgesetzt. Wie kann...
    Weiterlesen
  • Gewerkschaft, ja bitte (Hartmut Meine)
    Gewerkschaft, ja bitte (Hartmut Meine)
    Dieses Handbuch soll die Arbeit von Betriebsräten, Vertrauensleuten und Jugend- und Auszubildendenvertreter*innen als Teil aktiver Gewerkschaftsarbeit im Betrieb unterstützen. Es richtet sich auch an neugewählte Kolleginnen und Kollegen. Im ersten Teil werden die Grundlagen der Betriebs-, Tarif- und Gesellschaftspolitik entwickelt sowie die Schutz- und Gestaltungsfunktion von...
    Weiterlesen
  • Keine halben Sachen (Jane McAlevey)
    Keine halben Sachen (Jane McAlevey)
    Jane McAlevey greift in die Organizing-Debatte ein und plädiert für den Aufbau von Gegenmacht in den Betrieben und die Demokratisierung von Gewerkschaften. Seit einigen Jahren belebt die Auseinandersetzung mit den Organizing-Methoden der US-amerikanischen Gewerkschaften auch die gewerkschaftliche Diskussion und Praxis in Deutschland. Dieses Buch der amerikanischen...
    Weiterlesen
Buchtipp: „Industrie im Wandel — Bildungsarbeit in Bewegung“ 11. Februar 2019